Die Drehorgel

Die Drehorgel — das Tüpfelchen auf dem i.

Für viele Menschen ist die Drehorgel der Mittelpunkt Ihres Lebens: Die kleine Kneipe um die Ecke. Hier kann der Mensch noch Mensch sein. Und in der Tat: Abseits von den Strapazen und der Hektik des Alltags kann man hier die Seele einmal richtig baumeln lassen, sich mit Freunden treffen und Frust oder Freude von der Seele reden. Viele Besucher möchten sich jedoch nicht nur unterhalten, sie wollen darüber hinaus auch etwas Besonderes erleben, was ihnen der Alltag nicht bietet. Sie wollen unterhalten werden. Dies erkennen immer mehr Gastwirte und bieten deshalb ihren Kunden eine bunte Palette von Darbietungen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Musik. Das Angebot der Gaststätten braucht sich nicht auf Auftritte von Unterhaltern zu beschränken. Einfallsreicher und etwas anspruchsvoller ist es da schon, wenn den Besuchern ein Instrument zur Verfügung steht, mit dem sie den anderen Gästen und nicht zuletzt sich selbst eine Freude bereiten können. Erfolgsorientierte Wirte haben längst erkannt, dass mit einer Drehorgel ihr Haus zu einem Besuchermagneten wird.

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„Drehorgel - find‘ ich einfach gut!“ hört man an vielen Orten sagen und viele Menschen wollen nicht mehr auf das Instrument verzichten.

Doch wenn man Drehorgel sagt, wer denkt da nicht auch an das gute alte Berlin? Und wer Berlin sagt, der denkt unweigerlich auch an eine Drehorgel. Jahrzehnte war Berlin der Mittelpunkt der guten alten Drehorgelspielern, ein Mekka der alten Kneipen, der Hinterhöfe und des Boulevards.

Heute hat das Drehorgelspielen mit Kirmes, Marsch und Hinterhof nicht mehr allzu viel zu tun. Seit der elektronische Chip Einzug in alle Branchen gehalten hat, ist bei den Drehorgelspieler ein großer Traum erfüllt worden.

Als man noch Lochbandorgeln bespielte, hatte man eine Vision, nämlich hundert und ein paar Melodien mehr auf einer Orgel spielen zu können. Die neue Epoche mechanischer Musik lässt den Traum zur Wirklichkeit werden.

Es ist kein Wunder, dass heute problemlos das ganze Spektrum der Musik, von Schlager bis Marsch, von Kinnes bis zur Hinterhofmusik, von Rock-Musik bis zur Klassik dargeboten wird. In Kirchen und Konzerthallen finden vielerorts regelrechte Drehorgelkonzerte statt, und das Publikum ist jedes Mal hoch begeistert. Großauftritte von bis zu 350 Drehorgeln sind wirklich kein Traum, sondern Realität geworden.

Wen wundert es da, wenn die Gastronomen es allmählich verstehen, ihren Gästen den Zauber dieser Musik, bei kulinarischen Genüssen, nahe zu bringen. Großes Hallo bei Alt und Jung ruft es hervor, wenn man bei Festgesellschaften mit Liedern überrascht wird, die auf diesem königlichen Instrument gespielt werden. Man kann jede Stimmung sofort aufgreifen und auf die Mentalität der Gäste eingehen.

Aber auch die Profi-Musikwelt ist von der Drehorgel begeistert. Ob nun Dieter Thomas Heck, der pensionierte ZDF-Moderator. Bernd Clüver, der stimmungsmachende Schlagersänger, oder weitere bekannte Fernsehmoderatoren - für sie alle steht felsenfest: Drehorgelspielen ist einfach Spitze - es ist das Tüpfelchen auf dem i.

So treffen sich fast alle Leierkastenliebhaber zu den Musikfestspielen, die an vielen Orten dieser schönen Welt veranstaltet werden. Man braucht nur in die Veranstaltungskalender hineinzusehen.

Vergessen darf man dabei allerdings den Mann nicht, der es durch seine Baukunst ermöglicht hat, diese Revolution der Musik zu genießen und der ein Stück deutscher Orgelbaugeschichte geschrieben hat, nämlich den nicht mehr unter den Lebenden weilenden Orgelbaumeister Carl Heinz Hofbauer aus Göttingen.

Und wer einmal eine Drehorgel hören oder gar selbst spielen möchte, der sollte zum nächsten Drehorgel-Treffen oder zum nächsten Gasthaus, das eine Drehorgel hat, gehen.

Text und Foto: POSIIV-MEDIEN (Waldemar Herzog)